Integrationsvorlehre ewz: alle Beteiligten ziehen ein positives Fazit

Das Projekt „Integrationsvorlehre für Flüchtlinge“ besteht im Kanton Zürich seit Sommer 2018. ewz hat als eine der ersten Firmen mitgemacht. Alle Beteiligten ziehen ein positives Fazit.

Seit Sommer 2018 gibt es im Kanton Zürich das Projekt „Integrationsvorlehre für Flüchtlinge“ (IVL).  Die Teilnehmenden erwerben in dieser praktisch ausgerichteten IVL die Grundlagen, um anschliessend im gleichen Betrieb eine Berufslehre mit EBA- oder EFZ-Abschluss zu absolvieren.

Wir vom Programm EsperLabor haben bereits einige unserer Teilnehmenden auf den Weg zur IVL unterstützt. Meist konnten sie in der Firma bleiben, in welcher sie über uns einen sechsmonatigen Einsatz machten. Wir informierten die Arbeitgebenden über die Möglichkeiten und unterstützten bei den Formalitäten. Während der Probezeit begleiteten wir die Teilnehmenden weiter. Andere Teilnehmende wurden von uns während des Einsatzes beim BIZ (Berufsinformationszentrum) für die Potenzialabklärung angmeldet und dort wurde ihnen eine IVL vermittelt.

So war es auch bei Herrn Hadush. Er machte einen Einsatz im Lager des Opernhauses Zürich, übte unter anderem Vorstellungsgespräche in unserem Kurs, bekam ein gutes Zeugnis und konnte in dieser Zeit auch die Staplerfahrer-Prüfung absolvieren. Dies half ihm sehr, eine IVL und nun eine EBA-Lehre bei ewz zu machen.

Interview mit Herrn Hadush und seinen beiden Vorgesetzten, Herrn Fuchser, Leiter Logistik und Herrn Huber, Mitarbeiter Logistik und „Götti“ von Herrn Hadusch

Herr Hadush können Sie kurz beschreiben wer Sie sind?
Hadush: Ich komme aus Eritrea und bin 38 Jahre alt. Ich bin ledig und wohne in einer Wohngemeinschaft in Zürich.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?
Hadush: Mir gefällt alles: den Wareneingang zu kontrollieren mit den Lieferscheinen, das Abladen und Aufladen mit dem Stapler und auch am Computer zu arbeiten mit SAP.

Wollten Sie von Anfang an eine Lehre machen?
Hadush: Ich bin jetzt schon seit sieben Jahren in der Schweiz. Am Anfang war es sehr schwierig für mich. Ich wollte eine Lehre als Automechaniker machen, da ich da Erfahrung habe, aber hier in der Schweiz ist es ganz anders. Dann wollte ich unbedingt eine Arbeit, aber ich habe viel nachgedacht und mich gefragt: Willst du in der Reinigung arbeiten oder lernen? Und ich wollte lernen!

Sie haben die IVL bestanden und sind jetzt in der EBA-Lehre zum Logistiker. Waren Sie schulisch gut vorbereitet?
Hadush: Ja ich habe viel gelernt: über das politische System in der Schweiz, die Gesetze, über Mathematik und IT.
Das Schwierigste ist die deutsche Grammatik. Jetzt nehme ich jeden Donnerstag Nachhilfestunden in Deutsch. Die Hälfte meiner Klasse nimmt Nachhilfestunden, auch solche, die in der Schweiz aufgewachsen sind.

Welches Fach haben Sie am liebsten?
Hadush: Branchenkunde!!!

Haben Sie einen Tipp, wie ich Menschen für diesen längeren Weg der Ausbildung motivieren kann?
Hadush: Nein, alle Menschen sind anders. Ich kann nur sagen, wie es für mich ist. Ich lebe jetzt und will jetzt lernen. Ich schaue nicht, was in drei Jahren ist. Vielleicht ist es dann gut gegangen und vielleicht auch nicht. Die Zeit läuft immer weiter.

Herr Fuchser, wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Herrn Hadush in diesem Jahr erlebt?
Fuchser: Sehr gut. Herr Hadush ist sehr interessiert am Beruf. Wenn er etwas nicht versteht fragt er nach. Er will lernen und ist viel ernsthafter als viele Junge. Die grösste Herausforderung ist die Sprache. Deutsch ist nicht einfach und eine komplett andere Sprache als Tigrynia (eine der neun Nationalsprachen in Eritrea).

Wir merken es ja auch an den jungen Lehrlingen, die in der Schweiz aufgewachsen sind. Auch sie haben Schwierigkeiten mit der Grammatik.

Ich hatte ebenfalls Mühe mit der Sprache als ich jung war und kam dann in eine Sonderförderung. Heute bleiben alle in der gleichen Klasse und werden mitgezogen. Ob das nun besser ist oder nicht, weiss ich nicht. Das ständig am Handy sein fördert die Sprache auch nicht gerade.

Herr Huber, wo sehen Sie die Vorteile einer Integrationsvorlehre für die Arbeitgebenden?
Huber: Es ist eine Bereicherung für das Team. Die anderen Lernenden können ihr Wissen weitergeben. Herr Hadush ist der erste, der eine IVL bei uns gemacht hat. Er ist ein motivierter und interessierter Mitarbeiter. Durch seine Lebenserfahrung ist er pflichtbewusster als die jungen Lehrlinge. Seine Grundeinstellung zur Arbeit ist seriöser. Ausgang, Disco und so weiter hat nicht mehr erste Priorität in seinem Leben.

Haben Sie einen Tipp an zukünftige Arbeitgebende?
Huber: Ich denke, es ist gut wenn man zu Beginn eine Bezugsperson bestimmt, einen „Götti“. Es kommen viele Fragen, auch solche, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Es ist ja vieles neu für Menschen, die nicht in der Schweiz aufgewachsen sind: Ämter, Versicherungen, Wohnen etc.

Auch finde ich es wichtig, dass man von Anfang an die Sprache fördert. Bei uns muss Herr Hadush immer Deutsch sprechen, weil wir anderen das auch tun.

Wir können es nur empfehlen und werden gerne wieder einen Lehrling für die Integrationsvorlehre aufnehmen.

Weitere Informationen
Während der Integrationsvorlehre arbeiten die Lernenden im Vorlehrbetrieb und besuchen an durchschnittlich 1.5 Wochentagen den schulischen Unterricht. Die Integrationsvorlehre wird im Kanton Zürich zurzeit in folgenden Berufsfeldern umgesetzt:
Automobil, Betriebsunterhalt, Detailhandel, Garten, Gastgewerbe, Gebäudetechnik, Gebäudereinigung, Gleisbau, Logistik und Hauswirtschaft.

Interessierte Firmen können sich beim Stellennetz (Frau Claudia Heger, 044 297 91 98, claudia.heger@stellennetz-zh.ch) oder beim Mittelschul- und Berufsbildungsamt melden (Frau Melanie Aardalsbakke, Projektleiterin, 043 259 77 55).

Das BIZ (Berufsinformationszentrum) nimmt eine Potenzialabklärung bei den interessierten Flüchtlingen bzw. vorläufig Aufgenommenen vor. Stellt sich heraus, dass ein Kandidat oder eine Kandidatin die Voraussetzungen für eine Integrationsvorlehre in ihrem Beruf und Betrieb erfüllt, nimmt das BIZ mit ihnen Kontakt für die Organisation einer Schnupperlehre auf.

Hier finden Sie Links mit den wichtigsten Informationen:
https://mba.zh.ch/internet/bildungsdirektion/mba/de/berufslehre_abschlusspruefung/projekte-berufsbildung/integrationsvorlehre.html
https://www.eb-zuerich.ch/aktuell/tags/integrationsvorlehre/