I could be king

So wie es David Bowie vorhergesagt, oder besser, vorhergesungen hat in seinem legendären Song «Heroes», so ist es tatsächlich eingetroffen. Ich hab’s geschafft!

Meinen Triumph musste ich mir zwar nicht besonders heldenhaft erkämpfen. Die Chancen standen von vornherein mit 33,333% gar nicht so schlecht. Sie wurde mir von meinen zukünftigen Untertanen quasi zugespielt, die goldene Krone. Denn zum Schluss blieb nur noch ein letztes Stück des Königkuchens übrig, den wir uns am 6. Januar ehr und redlich zu dritt teilten. Dieses gehörte unumstritten mir. Und da bisher noch niemand sich einen Zahn am Plastikfigürchen, das sich irgendwo im Kuchen verstecken musste, ausgebissen hat, war meine Krönung auf sicher. I will be king … just for one day!

Bild: Hannes Rhiner

Doch kein König?

Die Krone auf meinem Haupt löste bei meinen beiden Tischgenossinnen allerdings weder besonderen Neid noch grosse Ehrfurcht aus, höchstens ein müdes Lächeln. So verschwand die Krone bald wieder von meinem Kopf und kurz darauf stand ich tatsächlich – nein, nicht auf dem Balkon, um mich der Welt zu präsentieren – sondern in der Küche, um das Frühstück aufzuräumen. Ich, der König des Tages! So ungern mache ich das allerdings gar nicht, denn dabei höre ich mir gerne stimmige Musik an (zum Beispiel David Bowie) und hänge dabei meinen Gedanken nach …

Was ist eigentlich der Reiz am König sein? Der Reichtum, die Macht, der Stolz? Was macht einen guten König aus? Sein Mut, seine Stärke oder seine Besonnenheit? Und was tut ein König den lieben langen Tag – wenn er nicht gerade die Küche aufräumen muss? Regieren, verurteilen, begnadigen, Steuern eintreiben und – nicht zu vergessen – genussvoll und üppig tafeln, umschwärmt von vielen emsigen Dienern, die ihm sein Leben so angenehm wie möglich machen.

Aber halt – ein guter König, ja ein wirklich guter König – sollte dieser nicht viel mehr für das Wohl seines Volkes sorgen? Soll nicht er seinem Volk dienen? So wie ich gerade in der Küche für das Wohl meiner Familie besorgt bin! Plötzlich fühle ich mich doch etwas königlich.

Doch ein König?

Und überhaupt, Könige sind in unseren demokratisierten Breitengraden (weitgehend) out. Und wenn schon König, dann ist dies der Kunde. So wird es den Mitarbeitenden vieler Betriebe im Verkauf, im Kundendienst, im Gastgewerbe und anderenorts eingepaukt: der Kunde ist König! Und sogar dann, wenn er sich alles andere als königlich benimmt. Kundenorientierung über alles.

Dieses Thema kommt zuweilen auch bei uns im Stellennetz auf und löst jeweils sehr gemischte Gefühle aus. Nicht dass wir etwas gegen unsere Kunden hätten. Nein, ganz und gar nicht. Aber die Irritation beginnt schon bei der Frage, wer unsere eigentlichen Kunden sind. Die Menschen, welche wir bei ihrer Stellensuche beraten und unterstützen? Die Behörden, welche uns die Teilnehmenden «zuweisen», die Unternehmen, welche uns Einsatzplätze zur Verfügung stellen?

Ökonomisch lässt sich diese Frage einfach beantworten: Wer zahlt, befiehlt; wer befiehlt, ist König; und König ist der Kunde. Also sind die zuweisenden Stellen, die zahlenden Ämter und Gemeinden, unsere Kunden. Von dort kommt das Geld, mit dem unsere Büros, Bleistifte und Löhne bezahlt werden.

Doch ein König!

Nun höre ich aber schon die vehementen Einsprüche meiner Arbeitskolleginnen und -kollegen. Sie verstehen ihre Aufgabe nicht primär darin, den Ämtern zu dienen, um uns damit ein Ein- und Auskommen zu generieren (so unumgänglich dies auch ist). Vielmehr soll unser Verdienst darin liegen, Mensch und Arbeit zusammenzubringen, so wie wir es uns in unser Leitbild geschrieben haben – wir wollen also den von Arbeitslosigkeit Betroffenen zudienen – ob sie nun Kunden, Könige oder einfach Menschen sind.

A propos Mensch, das erinnert mich an das Sprichwort: «In jedem Menschen steckt ein König. Sprich zu ihm, und er tritt hervor.»

So, die Küche ist aufgeräumt. Was nun?

Hochachtungsvoll, euer königliche Diener Rhiner

PS: Für alle, welche die Küche noch aufräumen müssen: Heroes von David Bowie zur Aufmunterung!
https://www.youtube.com/watch?v=AGOx0ZpMrrU



Autor
Hannes Rhiner, Bildung
hannes.rhiner(at)stellennetz-zh.ch

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