Eine Nacht im November 2017

Das vertraute leise Summen ertönt und Manfred Mänetscher entnimmt die Karte. Noch während er mit der rechten Hand die Tür zu seinem Zimmer aufstösst, beginnt er mit der linken, seinen Krawattenknoten zu lockern. Er wirft die Aktentasche achtlos aufs Bett und geht ins Bad, um sich zu erfrischen. Ein kurzer Blick in die Mini-Bar zeigt, dass diese, wie immer im GLORIA International, gut ausgestattet ist.

Derweil betrachtet Clara Klien ihr blasses Gesicht im Neonlicht ihres Badezimmers. Sie unterdrückt ein Gähnen und bürstet sich energisch das blondierte, modisch kurz geschnittene Haar. Rasch trägt sie etwas Lippenstift auf und schnappt sich ihre Beuteltasche. Sie zieht die Haustür hinter sich ins Schloss. Hoffentlich springt die alte Klapperkiste heute an. Es ist kalt draussen und sie will nicht zu spät kommen.

Manfred Mänetscher nimmt am reservierten Ecktisch Platz, wo er bereits von zweien seiner Geschäftspartner erwartet wird. Es steht ihm ein angenehmer Abend mit ausgewählt feinen Speisen und anregenden Gesprächen bevor.

Puh! Das hat knapp gereicht. Erleichtert zahlt Clara Klien die Parkgebühr und huscht quer über den bereits dunklen Platz Richtung Eingang. Sie vernimmt  das leise Piepen ihres Batches und gleich darauf wird die Schranke geöffnet. Etwas ausser Atem nach dem knapp 10 minütigen,  strammen Fussmarsch, nimmt sie die vorgeschriebene Kleidung aus ihrem  Spint und streift sie hastig über. Sie fröstelt, weil der dünne Stoff nicht ganz zur Jahreszeit passt. Jetzt noch Körpercheck und Sicherheitskontrolle, dann kann es losgehen. Clara Klien prüft, ob alle benötigen Arbeitsmaterialien in ihrem persönlichen Kistchen sind. Dann reiht sie sich in der Schlange ein, um den Eimer mit dem abgemessenen Wasser und dem exakt vordosierten Putzmittel abzuholen. Gleich  geht es die Gangway hinauf zum ersten Flugzeug dieser Nacht.

Eine Kollegin ist ausgefallen, dass bedeutet Mehrarbeit. Das Material im Flugzeuginnern ist sehr empfindlich und oft wird mit Stäbchen, Pinseln und zahnbürstenartigen Utensilien in den engen Fugen und Ritzen gearbeitet. Die Zeit ist genau getaktet, bis Ende der Schicht müssen alle Flugzeuge blitzblank gesäubert sein. Zunächst steht die Reinigung von 350 Ledersitzplätzen auf dem Programm. Sorgfältig wird jeder einzelne mit einem Spezialschaum abgetupft. Der junge Kollege, der erst letzte Woche angefangen hat, ist irgendwo in den Sitzreihen eingeschlafen. Sie wird ihn nicht verpfeifen. Doch nun muss sie sich noch mehr sputen.

Unterdessen neigt sich der Abend dem Ende zu und Manfred Mänetscher beschliesst, diesen bei einem Single Malt Whisky in der Hotelbar ausklingen zu lassen. Er wird am nächsten Morgen die erste Maschine nach München besteigen und es sich auf einem frisch gereinigten Ledersitz bequem machen.

Manfred Mänetscher schläft schon eine kleine Weile, als Clara Klien sich müde mit dem Handrücken den Schweiss von der Stirn wischt. Zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen trottet sie zurück zu den Spinten und legt ermattet ihre Utensilien hinein. Bis der Flug 475 Richtung München in die Luft steigt, wird auch sie schlafen.

Dieser Blogpost ist allen Reinigungskräften gewidmet, die – oft unbemerkt von uns – Tag für Tag dafür sorgen, dass unsere Umgebung frisch und sauber ist. Darunter sind auch die Teilnehmenden unserer Gloria Reinigungsfachkurse und unsere liebe Kollegin Lena. DANKE!



Autor
Chris Collet, Bildung
christine.collet(at)stellennetz-zh.ch

2 Antworten auf „Eine Nacht im November 2017“

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